Vorbild Nelson Mandela

In den Jahren auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt machte er das Zuchthaus zu einer "Gefängnisuniversität": Gebildete Häftlinge hielten Vorträge über Geschichte und Literatur und lehrten Analphabeten Lesen und Schreiben. Als loyaler ANC-Mann lehnte Mandela in den Achtzigerjahren Angebote ab, sich vom bewaffneten Kampf loszusagen und dafür entlassen zu werden. Gleichzeitig nahm er jedoch geheime Verhandlungen mit dem Regime auf - zunächst im Alleingang. Falls sie damit nicht einverstanden wären, übermittelte Mandela den im Exil agierenden Führungsgenossen, könnte sie sich ja vom Fehltritt eines isolierten alten Mannes distanzieren. Doch der ANC zog mit und zwang das durch Protestaktionen und Wirtschaftssanktionen unter Druck geratene Apartheid-Regime zu sensationellen Konzessionen: 1990 ließ die Regierung Mandela frei; der ANC und alle anderen verbotenen Parteien wurden wieder zugelassen; für 1994 kündigte man Wahlen nach dem Prinzip "one man, one vote" an. Die gewann Mandelas ANC überlegen, auch viele Weiße gaben dem großen Versöhner ihre Stimme.

Nelson Mandela und sein Kampf gegen die Apartheid - DER SPIEGEL

Am 18. Juli 1918 wurde Nelson Mandela geboren. Die Vereinten Nationen haben den 18. Juli in Gedenken an den Friedensaktivisten zum "Nelson-Mandela-Tag" erklärt. Am 5. Dezember 2013 ist Nelson Mandela in Südafrika gestorben. Als sie die Nachricht erhalten versammeln sich zahlreiche Südafrikaner vor dem Haus ihres Volkshelden, tanzen und singen zu Ehren des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Mandela. Nelson Mandela: endlich frei! Am 11. Februar 1990 verlässt ein 72-Jähriger Mann mit erhobener Faust ein Gefängnis in Südafrika: Nelson Mandela. 27 Jahre war er eingesperrt, weil er gegen die Apartheid - die gesetzmäßige Trennung von Schwarzen und Weißen in Südafrika - gekämpft hatte. Die Apartheidgesetze betrafen aber nicht nur Schwarze, auch Farbige und Asiaten litten darunter. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Briten Südafrika erobert hatten, wurden Nicht-Weiße in Südafrika benachteiligt. 1948 kommen in Südafrika weiße Nationalisten an die Macht, die Buren. Sie machen die Rassentrennung zum Gesetz.

Vier Jahre später wurde Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. Während seiner Amtszeit bemühte er sich darum, den Versöhnungsprozess voranzutreiben. Auch nach dem Ende seiner Präsidentschaft 1999 setzte er sich weiterhin für Gewaltfreiheit innerhalb der Gesellschaft Südafrikas ein. Mit Hilfe von Gandhis Lehre sei die Apartheid besiegt worden, sagte Mandela später: "Gandhis Ideen haben für Südafrikas Transformation eine große Rolle gespielt. Doch obwohl die Welt inzwischen sehr viel gelernt hat, sind Frieden und Gewaltfreiheit nicht automatisch garantiert. " Botschafter für den Frieden Der Politikwissenschaftler Ajay Kumar Dubey von der renommierten Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu Delhi glaubt, dass Mandela und Gandhi für das Ansehen ihrer Heimatländer extrem wichtig sind: "Wenn Südafrika sich als afrikanische Macht beweisen will, muss es zeigen, dass es auch eine Persönlichkeit von Weltrang besitzt - jemand wie Nelson Mandela, der die friedliche Transformation des Landes erreicht hat.

"Große politische und philosophische Literatur. " Süd-Afrika Magazin "Wie man sich in der Aussichtslosigkeit der Gefangenschaft seine menschlichen Vorstellungsgabe lebendig erhält. " Die Zeit, Ijoma Mangold "Die wichtigsten Briefe des großen, unbeugsamen südafrikanischen Staatsmanns aus der 27-jähringen Gefängniszeit. " FOCUS "Eindringliche und oft berührende Zeugnisse eines Lebens im Ausnahmezustand, einer stupenden Unbeugsamkeit und des Kampfes in Würde. " Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Eckert "Es ist, als ob auch fünf Jahre nach seinem Tod die Mandela-Magie noch ihre Wirkung entfaltet und selbst aus Briefen spricht, die vor mehr als einem halben Jahrhundert geschrieben wurden - diese Mischung aus aufrechter und klarer Haltung, direkter, persönlicher Ansprache und einer stets zu spürenden Einsamkeit erreichte schließlich die Mehrheit der ganzen und eigentlich gespaltenen Nation, deren Präsident Mandela 1994 wurde. Das Buch beleuchtet noch einmal, wie es dazu kommen konnte. "

Ich habe das Ideal der Demokratie und der freien Gesellschaft hochgehalten, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Chancen zusammenleben. Das ist ein Ideal, für das ich zu leben und das ich zu verwirklichen hoffe. Doch, Euer Ehren, wenn es sein soll, bin ich auch bereit, für dieses Ideal zu sterben. " Übergang zur Demokratie Nach der Freilassung Mandelas kam das Land nicht zu Ruhe. Rassisten in Polizei und Armee torpedierten die Verhandlungen mit dem weißen Regime. Sie schickten Todesschwadronen in die Townships. Nelson Mandela erkannte die Gefahr eines Bürgerkriegs: "Wir mussten uns einflussreicher Fürsprecher bedienen, die das verhindern konnten. Wir mussten die Hilfe von Leuten annehmen, die zu unseren Todfeinden gehörten, um die Situation zu entschärfen. " Der friedliche Übergang in ein demokratisches Südafrika gelang. 1993 erhielt der ehemalige Widerstandskämpfer dafür den Friedensnobelpreis. Ein Jahr später wurde er der erste schwarze Präsident seines Landes. Der Präsident legte Wert auf seine Führerschaft.

Das macht ihn zum Vorbild für uns alle, nicht nur für Politiker. Dabei ist es ja unstrittig, dass auch er Fehler machte. Das Festhalten an seiner 2. Frau Winni Mandela, die vermutlich für einige Gewalttaten in Südafrika verantwortlich war. Auch dass er als Präsident AIDS unterschätzte und hier nicht genug getan hat, war ein Fehler, den er zugeben musste. Ich glaube aber nicht, dass seine Liebeleien im Alter Fehler waren, die seine Integrität erschüttern. Nelson Mandela als Vorbild steht für Autorität ohne Gewalt, für Macht nicht auf Kosten von anderen, für Freiheit und Liebe, weil das das Leben ist. Er steht für seelische Kraft, Widerstandskraft ohne sich selber oder andere Menschen zu verraten. Er steht für Werte und Ziele und für Menschlichkeit. Aber nun schau dich um, siehe deine Vorgesetzten, schau sie dir die Männer um uns! Oder die Politiker? Machthungrige Männer wie Söder, Zyniker wie Seehofer, eigenblinde wie Martin Schulz oder Emporkömmlinge wie Gerhard Schröder, der mit seiner großen Nähe zum skrupellosen russischen Herrscher Wladimir Putin nicht nur seinen Ruf ruiniert.

Sich auf die Qualitäten ihres einstigen Präsidenten, auf seine Würde, seine Standfestigkeit und seine tiefe Menschlichkeit zu besinnen, wäre das schönste Geschenk, das die Südafrikaner dem größten ihrer Söhne zum Abschied machen könnten. Was in gleicher Weise natürlich auch für den Rest der Menschheit gilt.