Gedichte Vom Rhein

Doch unverständig ist Das Wünschen vor dem Schicksal. Die Blindesten aber Sind Göttersöhne. Denn es kennet der Mensch Sein Haus und dem Tier ward, wo Es bauen solle, doch jenen ist Der Fehl, daß sie nicht wissen wohin In die unerfahrne Seele gegeben. Ein Rätsel ist Reinentsprungenes. Auch Der Gesang kaum darf es enthüllen. Denn Wie du anfingst, wirst du bleiben, So viel auch wirket die Not, Und die Zucht, das meiste nämlich Vermag die Geburt, Und der Lichtstrahl, der Dem Neugebornen begegnet. Wo aber ist einer, Um frei zu bleiben Sein Leben lang, und des Herzens Wunsch Allein zu erfüllen, so Aus günstigen Höhn, wie der Rhein, Und so aus heiligem Schoße Glücklich geboren, wie jener? Drum ist ein Jauchzen sein Wort. Nicht liebt er, wie andere Kinder, In Wickelbanden zu weinen; Denn wo die Ufer zuerst An die Seit ihm schleichen, die krummen, Und durstig umwindend ihn, Den Unbedachten, zu ziehn Und wohl zu behüten begehren Im eigenen Zahne, lachend Zerreißt er die Schlangen und stürzt Mit der Beut und wenn in der Eil Ein Größerer ihn nicht zähmt, Ihn wachsen läßt, wie der Blitz, muß er Die Erde spalten, und wie Bezauberte fliehn Die Wälder ihm nach und zusammensinkend die Berge.

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Brentano: Abschied vom Rhein > Gedichtauswahl Brentano Clemens Brentano Abschied vom Rhein Nun gute Nacht! mein Leben, Du alter, treuer Rhein. Deine Wellen schweben Klar im Sternenschein; Die Welt ist rings entschlafen, Es singt den Wolkenschafen Der Mond ein Lied. Der Schiffer schläft im Nachen Und träumet von dem Meer; Du aber, Du mußt wachen Und trägst das Schiff einher. Du führst ein freies Leben, Durchtanzest bei den Reben Die ernste Nacht. Wer dich gesehen, lernt lachen; Du bist so freudenreich, Du labst das Herz der Schwachen Und machst den Armen reich. Du spiegelst hohe Schlösser Und füllest große Fässer Mit edlem Wein. Auch manchen lehrst du weinen. Dem du sein Lieb entführt; Gott wolle die vereinen, Die solche Sehnsucht rührt: Sie irren in den Hainen, Und von den Echosteinen Erschallt ihr Weh. Und manchen lehret beten Dein tiefster Felsengrund; Wer dich im Zorn betreten, Den ziehst du in den Schlund: Wo deine Strudel brausen, Wo deine Wirbel sausen, Da beten sie. Mich aber lehrst du singen: Wenn dich mein Aug ersieht, eine freudeselig Klingen Mir durch den Busen zieht; Treib fromm mir meine Mühle, Jetzt scheid ich in der Kühle Und schlummre ein.

Ein Gott will aber sparen den Söhnen Das eilende Leben und lächelt, Wenn unenthaltsam, aber gehemmt Von heiligen Alpen, ihm In der Tiefe, wie jener, zürnen die Ströme. In solcher Esse wird dann Auch alles Lautre geschmiedet, Und schön ists, wie er drauf, Nachdem er die Berge verlassen, Stillwandelnd sich im deutschen Lande Begnüget und das Sehnen stillt Im guten Geschäfte, wenn er das Land baut, Der Vater Rhein, und liebe Kinder nährt In Städten, die er gegründet. Doch nimmer, nimmer vergißt ers. Denn eher muß die Wohnung vergehn, Und die Satzung und zum Unbild werden Der Tag der Menschen, ehe vergessen Ein solcher dürfte den Ursprung Und die reine Stimme der Jugend. Wer war es, der zuerst Die Liebesbande verderbt Und Stricke von ihnen gemacht hat? Dann haben des eigenen Rechts Und gewiß des himmlischen Feuers Gespottet die Trotzigen, dann erst Die sterblichen Pfade verachtend Verwegnes erwählt Und den Göttern gleich zu werden getrachtet. Es haben aber an eigner Unsterblichkeit die Götter genug, und bedürfen Die Himmlischen eines Dings, So sinds Heroen und Menschen Und Sterbliche sonst.